Sonntag morgen treffen wir uns dann zur gemeinsamen Busfahrt zum Hermannsdenkmal. Die Aufregung der 7000 anderen Läufer und Läuferinnen um uns herum ist deutlich spürbar und jede Chance, sich vorm Start noch ein bisschen verrückt zu machen, wird tapfer genutzt. An uns alten Häsinnen prallt dies natürlich weitestgehend ab. Am Hermannsdenkmal angekommen bleibt immer noch viel Zeit die Kleiderfrage erneut zu diskutieren, mehrmals die Blase zu erleichtern und dann doch so langsam ungeduldig den Startschuss zu erwarten.
Ja und dann geht’s los... zurück nach Bielefeld! Jede erlebt ihren Hermannslauf individuell und jedes Jahr aufs neue. Tagesform, mentale Form, Trainingszustand, Wetter... so viele Faktoren kommen zum Tragen, dass eine genaue Planung und Zielvorgabe eher hinderlich sind. Wie die einzelnen Läuferinnen unsere gemeinsamen Trainingsläufe finden und auch wie sie in diesem Jahr den Hermannslauf erlebt haben, das habe ich mir aufschreiben lassen, lest selbst:
»Nach 3 Teilnahmen war ich das erste Mal als Zuschauerin dabei. Mein Standort befand sich wenige Km vor dem Ziel am Otto_Rietmüller-Haus. Ich war gespannt, was mich diesmal als Zuschauerin erwarten würde. Ich durfte unter anderem den späteren Sieger und auch Beatrice bei ihrem Lauf beobachten. Mit fortschreitender Zeit konnte ich die Veränderungen der Laufstile, gute und weniger gute bzw. trainierte Läufer und Läuferinnen beobachten. Ich fand das sehr interessant und fieberte mit allen mit. Für meine Laufkolleginnen vom BellZett hatte ich Cola dabei, um sie ein wenig zu unterstützen. Ich habe mich die ganze Zeit nicht einen Moment gelangweilt. Am Ende war ich selbst erschöpft vom vielen Anfeuern. Es war eine neue und gute Erfahrung , einen solchen Lauf als Zuschauerin zu erfahren. Die Gemeinschaft in der BellZett-Frauenlaufgruppe ist ein Grund dafür, das ich immer noch laufe. Wir trainieren gemeinsam für den Hermannslauf, holen am Samstag gemeinsam die Startunterlagen ab, wir starten zusammen am Hermannsdenkmal und wir feiern gemeinsam unsere Lauferfolge, sei es der Hermannslauf oder unsere Marathonläufe. Trotz unterschiedlicher Lauferfahrungen und Erfolge sind wir eine Laufgruppe, in der neue Läuferinnen immer willkommen sind. In dem Sinne ›Weck die Kenianerin in dir‹ und komm zu unserem Lauftreff.
»Nach dem Hermann ist vor dem Hermann!!!«
»Der Hermannslauf ist mein großes Highlight des Jahres, auf dass ich mich immer total freue. Vielleicht auch, weil das Training so viel Spaß macht, man viele nette Leute und neue, schöne Laufstrecken kennenlernt. Man muss sich und seine Fitness unter Beweis stellen und ist am Schluss super stolz auf die eigene Leistung. Spaß haben und fit bleiben, das ist mein Ziel. Dies an der frischen Luft zu erreichen ohne größeren Aufwand ist toll. Es ist möglich, den Hermann auch noch mit schweren müden Beinen und einer scheinbar endlosen Strecke zu genießen. Noch Tage später ist man ganz euphorisch.«
»Ich bin dies Jahr den Hermannslauf gar nicht mit gelaufen, aber ich möchte meiner Hochachtung Ausdruck geben, wie gut alle Läuferinnen die Strecke bewältigt haben. Insbesondere habe ich Achtung vor der Souveränität, mit der Läuferinnen den Lauf abgebrochen haben – weils dies Jahr eben nicht so gut lief: Gesundheit steht an erster Stelle! Da finde ich uns Frauen oft klüger als manchen Mann.«