Stimmen zur Geschichte des Vereins

25 Jahre BellZett – Ausschnitte aus den Grußworten anlässlich der 25-Jahre-Feier am 25. Juni 2009.  »Das Bellzett wurde und ist geprägt von engagierten Frauen im Team und im Verein. Frauen die sich als beharrliche Querdenkerinnen und Vordenkerinnen in der Stadt Bielefeld, und der Projekte Landschaft behaupten….«

Dr. Roswitha Ewald

Vorstand BellZett e.V.

»Das Bellzett wurde und ist geprägt von engagierten Frauen im Team und im Verein. Frauen die sich als beharrliche Querdenkerinnen und Vordenkerinnen in der Stadt Bielefeld, und der Projekte Landschaft behaupten.

Das Bellzett konnte sich besonders in den letzten zehn Jahren in der Projektlandschaft etablieren. Die Qualität der Arbeit konnte gesteigert werden und neue Bausteine etabliert werden. Die Leitbildentwicklung im Jahr 2004 und die Synergie mit Wildwasser gaben beiden Vereinen ein schönes Zuhause in der Sudbrackstraße 35a. Auch die Zusammenarbeit im Team läuft seit vielen Jahren konstruktiv produktiv und kreativ.

Diese Erfolgsgeschichte ist der unermüdlichen Kreativität der im BellZett arbeitenden Frauen zu danken, insbesondere Dir Karin und Euch Teamfrauen, die ihr mit bewundernswertem Einsatz und Eurem Engagement auch Talphasen überstanden habt und mit immer wieder mit neuen Ideen und Arbeitseinsatz diese erfolgreiche Entwicklung ermöglicht habt. Uns als Vorstandsfrauen erfüllt es mit Stolz für diesen erfolgreichen Verein tätig zu sein

Ilse Buddemeier

Stadt Bielefeld, Gleichstellungsstelle für Frauenfragen

»Ich fasse das jetzt mal so zusammen: Wir sind stolz darauf, Euch in unserer Stadt zu haben. Ihr gebt Frauen in Bielefeld einen Raum, in dem wir uns innerlich und äußerlich frei bewegen können – in leichter, angenehmer Atmosphäre und mit professioneller Anleitung. »Schön stark«, wollt Ihr uns machen und das ist genau das, was frauenpolitisch angesagt ist.

Als ich jung war hieß es noch »Frauen sind dümmer als Männer!« – okay, das wurde etwas höflicher ausgedrückt, aber im Grunde war es genau das. Niemand würde das heute noch zu sagen wagen. Diese Hürde haben wir genommen.
Jetzt stehen wir vor der nächsten und die heißt: »Frauen sind schwächer als Männer!« und das gilt jetzt als gegeben und unveränderlich. Es ist das Ass, das die Anhänger der natürlichen Geschlechterdifferenz heutzutage gerne aus dem Ärmel ziehen.

Dabei ist der Unterschied zwischen Frauen- und Männerkörpern nichts anderes als das Resultat von Jahrtausenden schlechterer Ernährung, schlechterer gesundheitlicher Versorgung, mangelnder Bewegung, und einengender Kleidung. Die Schwäche des weiblichen Körpers ist schlicht eine Folge ungleicher Chancen und ungleichen Trainings.

Aber auch auf diesem Feld holen wir auf: Die Körper der Frauen verändern sich. Das Deutsche Institut für Bekleidungsindustrie hat festgestellt, dass wir größer werden, an Brustumfang verlieren und dass sich der Unterschied zwischen Hüfte und Taille verringert. D. h., wir reagieren gut auf bessere Ernährung, mehr Bewegung und weniger Schwangerschaften. Wir beginnen, die muskuläre Lücke zu schließen.

So viel zu stark, sprechen wir über schön.

Als die Pionierinnen des Frauensports anfingen sich frei zu bewegen, gab es erbitterten Widerstand gegen die Einführung von Wettkämpfen für Damenleistungen. Karl Ritter von Halt, damals Präsident des deutschen olympischen Komitees, stellte fest: »Der Kampf verzerrt das Mädchenantlitz, er gibt der anmutigen weiblichen Bewegung einen harten männlichen Ton.«

Heute klingt das ganz anders: Zum Beispiel wenn der Präsident der FIFA die Fußballerinnen nach einer WM auffordert, engere Trikots zu tragen, damit sie attraktivere Werbepartnerinnen für Mode- und Kosmetikfirmen würden. Oder wenn der Beachvolleyballverband die Maximalbreite der winzigen Höschen vorschreibt, um die Attraktivität des Sports zu erhöhen. Was ist das? Soll die Attraktivierung über Sexualisierung von den Leistungen und der Stärke der Frauen ablenken? Oder geht es schlicht um die alte sexistische Idee, dass Frauen schön sein sollen, um Männern zu gefallen?

DA halten wir uns doch lieber an Euren Schönheitsbegriff, liebe BellZett – Frauen. »Schönheit ist die Bewegung eines angstfreien Körpers.« Und an Eure Vision: »Mit der Erfahrung des Zusammenspiels von Körper, Geist, Gefühlen und Sinneswahrnehmung übernehmen Frauen Verantwortung für ihr Leben und verändern damit die Welt.« Dem ist nichts hinzuzufügen.

Dr. Britta Hoffarth

Universität Bielefeld, Arbeitsgruppe Migrationspädagogik und Kulturarbeit der Fakultät für Erziehungswissenschaften

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,
ich möchte mich ganz herzlich für die Einladung bedanken, auch im Namen von Prof. Isabell Diehm. Sie ist Dekanin der Fakultät für Erziehungswissenschaften der Uni Bielefeld und wir wünschen dem BellZett aus ganzem Herzen alles Gute zum 25.jährigen Jubiläum. Mich persönlich freut es sehr, heute hier sprechen zu können, denn ich bin auch mal eins von den Mädels gewesen, die vom BellZett, und zwar speziell in WenDo-Kursen, eine Menge lernen durften.

Heute spreche ich vor Ihnen nicht nur als WenDo-Schülerin, sondern auch als institutionell autorisierte Akademikerin, als weiße Mittelschichts-Nicht-Migrantin, als Mutter, ebenso als Erziehungswissenschaftlerin.

Diese verschiedenen Facetten meiner Figur in dieser Sekunde spielen nicht nur in meinem Erleben eine Rolle, sondern vor allem auch im Moment der Wahrnehmung durch meine Zuhörerinnen und Zuhörer. Diese Facetten sind Facetten der Differenz: Bin ich weiblich, bin ich nicht männlich. Bin ich weiß, bin ich nicht schwarz.

Diese Unterscheidungen sind nicht allein faktisch vorhanden, sondern sozial hergestellt und symbolisch bedeutsam. Ob ich mich auf der Straße bewege, auf eine Stelle bewerbe oder vor Leuten spreche, diese Facetten sind, sobald sie für andere sichtbar werden, relevant.

Denn sie sind eingebettet in Machtverhältnisse, die erlebbar werden in unserem Alltag. Ob ich nicht eingestellt werde, weil ich einen Sohn habe, der im Krankheitsfall meine Betreuung bräuchte, oder ob ich freundlicher gegrüßt werde, seit ich einen akademischen Titel besitze, ist nicht egal, nicht nur individuell, nicht nur Zufall.

In Strukturen, die stärken oder benachteiligen, ist es wichtig, über Strategien zu verfügen, die es mir erlauben, widerspenstig zu sein, die mich ermächtigen, die mir Handlungsmöglichkeiten einräumen.

»Für eine selbstbestimmte Eroberung der Welt«

Der dritte bedeutsame Aspekt des Projekts betrifft seine Bildungsziele. Kurse, die sich zum Ziel setzen, Mädchen zu stärken, sind ressourcenorientiert. Sie ermöglichen den jungen Teilnehmerinnen, sich selbst als wirksam, integer und durchsetzungsfähig zu erfahren und fördern damit ein Selbstkonzept, in dem Mädchen sich als handlungsfähig konzipieren können. Handeln heißt: Sich in der Welt verorten, sich in ein Verhältnis setzen zu anderen, sich selbst erfinden. ›Fratz!‹ fördert diese besonders wichtigen Bildungsprozesse in einem Raum der Anerkennung und Stärkung.

Warum also ›Fratz!‹ auch in Zukunft wichtig ist, muss ich Ihnen eigentlich nicht erzählen.
Geschlecht und Migration als Strukturelemente werden weiterhin gesellschaftlich und individuell relevant bleiben. Eine derart sensibilisierte Körperarbeit als pädagogisches Programm formuliert Angebote für alternative Handlungsformen, für gewaltfreie Lebensweisen. Selbstermächtigung ist die Voraussetzung für Selbstbestimmung, für eine selbstbestimmte Eroberung der Welt.

›Fratz!‹ als ein ganzheitliches Projekt arbeitet mit Mädchen ebenso wie mit Eltern und Familien. So werden Begleit- und Ermöglichungsbedingungen geschaffen für einen speziellen Lernraum.

Aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive ist das avancierte Projekt ›Fratz!‹ in besonderer Weise geeignet, sensibel mit jungen, weiblichen, migrationserfahrenen Lebenswelten umzugehen. Wir wünschen dem BellZett weitere erfolgreiche und bewegte Jahre und wir wünschen uns, dass ›Fratz!‹ auch in Zukunft Bestandteil des schönen, starken BellZett-Programms bleibt.

›Fratz!‹ Ein BellZett-Projekt für starke Mädchen

Das Projekt Fratz!, das vom BellZett Anfang 2007 ins Leben gerufen wurde, hat sich zum Ziel gesetzt, Mädchen im Alter von 5 – 11 Jahren mit und ohne Migrationshintergrund ebensolche Strategien an die Hand zu geben. In Fratz!-Kursen werden methodisch angeleitet Übungen zu Stimme und Körper angeboten. Mit Rollenspielen, Elementen der Selbstverteidigung und Selbstbehauptung, ebenso mit Wahrnehmungs- und Entspannungsübungen wird der Körper zu einem Werkzeug der Selbst- und Welterfahrung.

Ich möchte kurz auf drei Aspekte des vom Landesjugendring NRW ausgezeichneten Projektes ›Fratz!‹ eingehen: Das Alter seiner Zielgruppe, die geschlechtssensible und interkulturelle Perspektive sowie das Ziel der Ausbildung individueller Handlungskompetenzen.

Warum ist es bedeutsam, Kindern ab dem Alter von 5 Jahren Strategien der Selbstermächtigung an die Hand zu geben? Weil Differenzen in diesem Alter ebenso wirkmächtig sind wie im Alter von 15 oder 35 Jahren. Weil Kinder im Alter von 5 Jahren selbstbewusst sein sollen, um sich angstfrei in öffentlichen Räumen bewegen zu können. Weil eine Sensibilisierung für die Unversehrtheit des eigenen Körpers einen Lernprozess und damit Zeit benötigt.

Warum ist es bedeutsam, das Projekt für Mädchen mit und ohne Migrationshintergrund anzubieten? Eine feministisch sensibilisierte und interkulturell interessierte pädagogische Praxis heißt: Eine pädagogische Praxis unter den Bedingungen von Geschlecht und Migration. Zwei Facetten der Differenz, die relevant sind, an unterschiedlichen Orten auf unterschiedliche Art und Weise. Ich möchte hier kurz und unlangweilig den Begriff der Intersektionalität vorstellen. Dieser Begriff beschreibt sowohl eine sozialwissenschaftliche Forschungsperspektive als auch ein gesellschaftliches Phänomen.

Mit Axeli-Knapp heißt das: »Eine am Paradigma der Intersektionalität orientierte feministische Theorie fragt danach wie Geschlechterverhältnisse, Klassenverhältnisse und Konfigurationen von Ethnizität und Race (…) in der Sozialstruktur (…) einer (…) Gesellschaft verbunden sind«. Übersetzt also: Ich bin in keiner Situation einfach nur Frau, sondern eine schwarze Frau, eine migrierte Frau oder alleinerziehende behinderte Frau. Intersektionalität stellt (ich zitiere Degeler) die »Analyse der Verwobenheit verschiedener Differenzkategorien (wie Geschlecht, Ethnizität oder Alter, B.H.) sowie unterschiedlicher Dimensionen sozialer Ungleichheit« (Degeler 2007) dar. Intersektionalität stellt also eine wissenschaftliche Analyseperspektive zur Verfügung.

Diese Perspektive bedeutet also für die pädagogische Praxis: Wir brauchen Konzepte, die einer durch Migration und Geschlecht strukturierten sozialen Wirklichkeit angemessen sind. Konzepte wie z.B. ›Fratz!‹

Beate Vinke

Landesarbeitsgemeinschaft Mädchenarbeit in NRW e.V.

Ein zentrales Anliegen der Mädchenarbeit ist, dass sich Frauen als Mütter, Tanten, Großmütter, Freundinnen, oder eben auch als Pädagoginnen, auf Beziehungen zu Mädchen einlassen, sich für das interessieren, was Mädchen erleben und erfahren, dass sie Mädchen ihre Kompetenzen zur Verfügung stellen und sich dabei auch selbst bewegen. Genau das geschieht hier im BellZett und dafür danken wir Euch sehr!

In Bewegung zu sein, bedeutet auch, die eigenen, auferlegten, hausgemachten, natürlichen oder strukturellen Grenzen physisch und psychisch zu erfahren. Mädchenarbeit bringt auch die Auseinandersetzung mit den Verletzungen, den Einschränkungen und den Zurichtungen mit sich, die Mädchen erleben. Das BellZett ist ein Ort, der Mädchen in ihrer Vitalität stärkt. Die BellZettfrauen setzen sich – ganz im Sinne der Mädchenarbeit – auch politisch für das gesunde Aufwachsen von Mädchen ein.

Mädchenpolitik ist Gesellschaftspolitik und das BellZett ein Ort demokratischer Beteiligung und Teilhabe.

In Bewegung zu sein bedeutet auch, zu lernen und sich selbst weiterzuentwickeln. Das BellZett ist ein wichtiger Bildungsort für Mädchen und steht damit in der Tradition der Begründerinnen und Ahninnen der Mädchenarbeit, denen die Bildung von Mädchen ein zentrales Anliegen war. Der Zugang zu Bildung war und ist auch heute noch eine wesentliche Voraussetzung dafür, frei zu sein und eigensinnig zu denken und zu handeln.

Die Bewegungen des BellZett kommen leicht daher. Das bedeutet aber nicht, dass sie leicht sind. Diejenigen hier im Raum, die sich hin und wieder bewegen 😉 wissen, wieviel Arbeit, Training, Geduld und auch Muskelkater nötigt sind, bis eine Bewegung plötzlich wie durch einen Zauber fast von selbst geschieht. So ist es auch mit dem BellZett. Das BellZett schöpft aus großer Fülle und steht doch auch oft am Abgrund. Einen mittelständischen Non-Profit-Betrieb wie diesen zu führen und damit 25 Jahre auch betriebswirtschaftlich erfolgreich zu sein, erfordert ein hohes Maß an Kompetenz, Engagement und Nerven.

Ihr seid seit vielen Jahren Mitglied in der LAG Mädchenarbeit, pflegt mädchen- und frauenpolitische Netzwerke, habt im Vorstand der LAG Mädchenarbeit mitgearbeitet und dem Büro der LAG in Notzeiten Asyl gewährt. Ich möchte Euch für Eure kompetente, bewegte und beschwingte Arbeit von Herzen danken. Wir wünschen Euch alles, alles Gute und viele inspirierende Begegnungen mit Mädchen!

Erwin Adams

Der PARITÄTISCHE Kreisgruppe Bielefeld

Der Paritätische und seine Mitglieder und andere Organisationen in der Sozial- und Bildungsarbeit profitieren natürlich von der fachlichen Phantasie, der Kompetenz und der selbstbewussten Beharrlichkeit der Frauen im Verein BellZett, hier in Bielefeld, aber auch beispielhaft auf Landesebene. Der Initiativen-Preis des Paritätischen Jugendwerkes 2007 für ›Selbstbewusst und schön?! – Ein Projekt für Mädchen mit Handicap‹ zeigt, wo BellZett wahrgenommen wird und welche Wirkungen die Ideen und die Praxis von BellZett haben.

BellZett ist aktiv im Kernbereich des Zusammenlebens von Mädchen und Jungen, Männern und Frauen – die Lust der männlichen Täter, Macht auszuüben ist keineswegs bewältigt, das Thema nicht abgeschlossen. Das Gegenteil ist der Fall. Die Phantasie und die Kraft der Kolleginnen sind weiterhin notwendig, dazu auch unsere eigene Sensibilität und Achtsamkeit. Und wir alle sollten die seelische und körperliche Unversehrbarkeit aller Menschen und insbesondere der Mädchen und der Jungen in unserem persönlichen Alltag nicht aus dem Blick verlieren.

Der Paritätische bietet als Dachverband den Rahmen für alle, die selbst etwas anpacken möchten, etwas unternehmen, bewegen möchten. Wir sind stolz darauf, dass BellZett parteilich für Mädchen und Frauen bei uns aktiv ist. Wir wünschen alles Gute für die kommenden Jahre, danken für die kooperative, fachlich hilfreiche Zusammenarbeit und wünschen für heute ein fröhliches unbeschwertes Fest.